Mittwoch, 12. Dezember 2018

« zurück

23.02.2018

Süddeutsches Verbände Symposium 2018

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, Übungen zum Mitmachen und viel Gelegenheit zum Austausch mit hochkarätigen Experten rund ums Thema Schmerztherapie: Das bot das Süddeutsche Verbände Symposium 2018 auf der Therapro Fachmesse + Kongress in Stuttgart. Die VPT-Landesgruppen Baden-Württemberg und Bayern und der Landesverband Baden-Württemberg von Physio-Deutschland hatten gemeinsam dazu eingeladen.



Süddeutsches Verbänder Symposium 2018

Hans Ortmann (VPT Bayern), Michael N. Preibsch (Physio Deutschland, BW) und Raymond Binder (VPT BW)

Im Mittelpunkt aller Vorträge stand der Schmerzpatient. Vor welche Herausforderungen stellt er die Therapeuten? Wie funktioniert eine multimodale Schmerztherapie? Diese und viele weitere Fragen beantworteten die Referentinnen und Referenten in sechs aufschlussreichen Fachvorträgen.

 



Eröffnungsreferenten: Andreas Koch, Prof. Dr, med. Ulrich T. Egle und Robert Pfund

Prof. Dr. med. Ulrich T. Egle vermittelte, „Wie das Gehirn aus Stress Schmerz macht“ und zeigte Perspektiven für eine bio-psycho-soziale Schmerztherapie auf. Der Vorsitzende der Interdisziplinären Gesellschaft für Psychosomatische Schmerztherapie plädierte für ein bio-psycho-soziales Schmerzverständnis, das bei der Behandlung chronischer Schmerzzustände auch psychosoziale Einflussfaktoren berücksichtigt: „Chronischen Rückenschmerz müssen wir anders behandeln als akuten, sonst chronifizieren wir die Patienten.“ Auf Basis aktueller neurobiologischer Forschungsergebnisse zeigte Egle auf, was bei der Anamnese und Therapie wichtig ist und wie Physiotherapeuten dabei optimal mit Ärzten und Psychologen zusammenarbeiten können. Ziel ist es, die Selbstwirksamkeit des Patienten im Umgang mit seinen Schmerzen Schritt für Schritt zu verbessern. Was unter „Human based Medicine“ (HbM) zu verstehen ist, erläuterte Andreas Koch, Physiotherapeut und Inhaber von PphysiQus Therapiekonze. Krankheit und Schmerz dürfe nicht allein als strukturelles und eindimensionales lokales Problem betrachtet werden. Ziel der HbM sei eine an den Ressourcen, Wünschen und Zielen des Patienten orientierte Therapie, die ihm wieder in ein möglichst autonomes und glückliches Leben bringe. Dies erfordere eine multidimensionale Diagnostik, die sich nicht nur an Symptomen und Pathogenese orientiert, sondern in höherem Maße an den Ressourcen des Patienten. Dem Therapeuten kommt dabei die entscheidende Rolle zu, auf Basis von evidenzbasiertem Wissens, Erfahrung und den Möglichkeiten des Patienten im Clinical-Reasoning-Prozess die individuell beste Therapie zu wählen. Bei der Schmerzanamnese seien dafür psycho-soziale Aspekte mehr zu berücksichtigen, z.B. Befürchtungen des Patienten, die zu einem Vermeidungsverhalten führen, das den Schmerz verstärkt (Fear Avoidance).

Chronischen Schmerzen mit aktiven Therapieformen begegnen – das ist das Anliegen von Robert Pfund, Physiotherapeut und Mitinhaber der f+p GmbH, einer Physiotherapiepraxis für Manuelle Therapie und Training. Denn: „Bewegung ist ein Medikament ohne Nebenwirkungen.“ Auch er plädierte dafür, bei chronischen Schmerzen nicht nur nach mechanischen Ursachen zu suchen, denn es gebe immer mehrere Gründe. Daher genüge es auch nicht, z.B. bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen nur Kontroll- und Kräftigungsübungen des Rumpfes zu machen. Anstelle des lokalen Einsatzes des Medikamentes Bewegung solle dessen „Breitbandwirkung“ mehr genutzt werden. Pfund rät Patienten, das Training in der Physiopraxis zwischen den verschriebenen Therapieeinheiten auf freiwilliger Basis fortzuführen und stellte dafür ein 7-Phasenprogramm vor, in dem das aktive Training bewusst langfristig angelegt ist, um ein stabiles Therapieergebnis zu erzielen.

Ralf Schesser, MPhty (Manip Physio), erklärte in seinem Vortrag zum Thema „Von der Reparatur zu den Ressourcen“, wie der Therapeut das Clinical Reasoning als Grundlage zur Beurteilung und für eine spezielle Schmerzphysiotherapie des Patienten einsetzt. Im Bereich chronischer Schmerztherapie stellte er verschiedene Behandlungsstrategien vor, u.a. die spezifische problemorientierte Therapie (z.B. segmentale Stabilisation, spez. Gelenkmobilisation, spez. Kräftigung, Koordination, Dehnungen), Pacing, Graded Activity, Graded Exposure und Graded Motor Imaging. Zentrale Aussage: Ein fundiertes physiotherapeutisches Assessment – basierend auf einem guten Clinical Reasoning – sei die Basis erfolgreicher Therapie. Spezifische Behandlungsstrategien seien notwendig, um gezielt und an Ressourcen orientiert zu behandeln.



Ralf Schesser

Dr. Kristin Kieselbach ist Ärztliche Leiterin des Interdisziplinären Schmerzzentrums des Universitätsklinikums Freiburg und stellte anhand eines Beispiels aus ihrem Hause vor, wie eine „Multiprofessionelle Schmerztherapie“ in der Praxis umgesetzt werden kann. Dabei arbeiten verschiedene Therapeuten „unter einem Dach“, werden in einem integrativen Programm koordiniert, tauschen sich eng und täglich aus, beziehen die Patienten mit ein und arbeiten mit ineinandergreifenden Programminhalten. Dieses eng vernetzte interprofessionelle multimodale Management sei für die Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzen grundlegend und effizient. Dr. Kieselbach ist zudem Ärztliche Fachvorsitzende im Landesbeirat Schmerzversorgung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg, der einen „Patientenratgeber Schmerz“ entwickelt hat, den sie zur Weitergabe an Patienten empfahl und der auf der Website des Ministeriums zum Download bereit steht.



Dr. Kristin Kieselbach

Die Diagnostik und Therapie von Bandscheibenschmerz erläuterte Physiotherapeutin und Fachautorin Doris Brötz in ihrem anschaulichen Vortrag mit Mitmachübungen. Ihr verhaltensorientierter, aktiver, selbstbestimmter und evidenzbasierter Therapieansatz verfolgt das Ziel, den Schmerz nachhaltig zu behandeln. Denn verschiedene Therapiemaßnahmen bei unspezifischem Rücken- und Nackenschmerz helfen zwar, jedoch leiden rund 30% der Patienten nach einem Jahr noch an ständigen oder wiederkehrenden Rückenschmerzen, wie die Referentin anhand von Studien belegte. Die von Doris Brötz vorgestellte symptom- und diagnoseorientierte Physiotherapie verspricht eine effektive Behandlung auch 5 Jahre nach akutem Bandscheibenvorfall. Am Anfang werden den Patienten die mechanischen Schmerzursachen erklärt und der therapeutische Vorschlag wird begründet. Dann stehen das Bewegungsverhalten im Alltag, wiederholte Bewegungen der Wirbelsäule, die Stabilisierung der Wirbelsäule und ggf. Bewegungen der Nervenbahnen auf dem Konzeptplan. Als „Minimale Verhaltensänderung für die Wirbelsäulengesundheit“ sollten Patienten täglich üben: Vor dem Aufstehen 4 Minuten in Bauchlage – danach 5-mal hochstützen. Zudem die alltägliche Haltung und Bewegung kontrollieren und sich jede Stunde aufrichten und stabilisieren. Ziel ist es, dass der Patient vom Physiotherapeuten kompetent gemacht wird, sein Problem selbst zu lösen.



Doris Brötz und Michael Austrup (Physio Deutschland)

Einige Übungen zum Mitmachen konnten die Kongressteilnehmer am Ende gleich selbst austesten: Einbeinstand, Wippen, Mini-Kniebeugen, Laufen auf der Stelle und Hüpfen sorgten für einen sportlichen Abschluss dieses lehrreichen Süddeutschen Verbände-Symposiums.

Login VPT Mitgliederbereich

VPT-Therapeutensuche

Aktuelle Mitgliederzeitung

VPT Mitgliederzeitschrift

Unsere Mitgliederzeitschrift

Weitere Informationen finden Sie auf www.vpt.de

Über 20.000 VPT-Mitglieder

VPT Landesgruppe

VPT Landesgruppe Bayern
Rosenkavalierplatz 18/II | 81925 München
Telefon 089 / 99 99 74-3 | Telefax 089 / 91 04 96 27
E-Mail: info@vpt-bayern.de

Alle Landesgruppen im Überblick

Bildung zahlt sich aus

VPT Aktuelles, Downloads und mehr...

Eine Vielzahl von Informationen rund um die Tätigkeit des Verbandes, über 400 Literaturbesprechungen und mehr als 700 Meldungen aus Recht und Praxis finden Sie in unserem Archiv auf www.vpt.de.