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07. Juni 2019

Politik | Fahrplan Zukunft: Forschung, Digitalisierung, Vernetzung

Politik | Fahrplan Zukunft: Forschung, Digitalisierung, Vernetzung
Foto: AdobeStock/kentoh

Die AG Wissenschaft und Akademisierung im VPT engagiert sich seit Jahren für die Aufnahme wissenschaftlicher Fragestellungen in der Physiotherapie. Denn Wissenschaft ist für alle da. Und je stärker die Professionen in den therapeutischen Gesundheitsberufen sind, desto besser ist es für alle Therapeuten. Andrea Brakutt, Landesgruppenvorsitzende des VPT Thüringen, berichtet aktuell von einer Tagung des Hochschulverbundes Gesundheitsfachberufe rund um die Themen Akademisierung, Ausbildung und Zukunft der Berufsgruppe.

Am 3. Juli 2006 gründeten Vertreter und Vertreterinnen deutscher Hochschulen mit Studiengängen für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie in Berlin den Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe (HVG). Erst seit dem Jahr 2001 ist es in Deutschland möglich, in diesen Disziplinen Bachelor- und darauf aufbauend Masterabschlüsse zu erlangen. Die Förderung der Therapiewissenschaften im deutschsprachigen Raum ist das Ziel dieses interdisziplinären Zusammenschlusses von Hochschulvertretern. Der HVG kooperiert mit anderen Bildungseinrichtungen, insbesondere mit Berufsfachschulen und Schulen des Gesundheitswesens. Er pflegt den regelmäßigen Austausch mit den Berufsverbänden und der Arbeitsgemeinschaft Medizinalfachberufe in der Therapie und Geburtshilfe (AG MTG) und setzt sich dafür ein, dass Forschung und Entwicklungen in den vorgenannten Handlungsfeldern der Gesundheitsfachberufe initiiert und gehört werden.

Ebenso engagiert sich die AG Wissenschaft und Akademisierung im VPT für die Aufnahme wissenschaftlicher Fragestellungen in der Physiotherapie und hat sich für ein gemeinsames Ziel ausgesprochen: die Förderung und Erforschung physiotherapeutischer Behandlungen und die Feststellung ihrer heilsamen Wirkung mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden. Hierzu benötigen wir die erforderlichen Studienstandorte und Kolleginnen und Kollegen, die den akademischen Weg bereits eingeschlagen haben. Denn akademische Abschlüsse ermöglichen es, die evidenzbasierte Therapie voranzubringen, international zu arbeiten und den Patienten Therapien anzubieten, die dem aktuellen internationalen Wissensstand entsprechen. Zudem sichern sie den Berufsstand im eigenen Land und tragen dazu bei, unnötige Kosten im Gesundheitssystem zu vermeiden.

Für die Entwicklung der Studiengänge, die Weiterentwicklung der Berufsfelder und den Aufbau der wissenschaftlichen Disziplinen stellt die Forschung in den Gesundheitsfachberufen eine zentrale Grundlage dar. Die Fachkommission (FK) Forschung des HVG hat es sich zur Aufgabe gemacht, die aktuellen und zukünftigen Rahmenbedingungen, Inhalte und Strukturen im Forschungsbereich der Gesundheitsfachberufe kritisch zu beleuchten und konstruktiv mitzugestalten. Ein weiteres Ziel es, die beruflich-akademische Bildung der therapeutischen Fachberufe durchlässig zu gestalten und promotionsfördernd Unterstützung zu gewähren. Aktuell steht die Promotionsunterstützung mit der Vernetzung des Projektes ba|Bi+, dem Newsletter, einer Umfrage zu Promotionsmöglichkeiten und der Online-Volltextdatenbank TheraThesisLink auf der Tagesordnung.

Ausbildung und Studium durchlässig gestalten

Das Projekt ba|Bi+ wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereits von 2014 bis 2018 als Angebot für berufstätige Frauen, Berufsrückkehrer/innen und Personen mit Familienpflichten im Rahmen der Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ gefördert. Ziel war es, die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung in der Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie zu begünstigen. In dieser ersten Förderphase wurde ein Promotionskurs nach dem Vorbild der konstruktivistischen Didaktik mit dem Ziel entwickelt, individuelles Lernen mit den Vorteilen eines sozialen Lernsettings zu kombinieren.

Das Nachfolgeprojekt (von Februar 2018 bis Juni 2020) baut auf den Ergebnissen der ersten Förderphase auf, konzentriert sich nun aber auf das Thema Digitalisierung (Weiterentwicklung des Blended Learning Designs im „Übergangskurs zum Masterstudium“) sowie auf die Vernetzung verschiedener promotionsvorbereitender und unterstützender Angebote für Masterabsolventen der therapeutischen Gesundheitsberufe. So konnte beispielsweise jemand mit einem Masterabschluss zunächst als Promotionsinteressent an der Summer School 2018 bzw. der Winter School 2019 teilnehmen, um sich über die Möglichkeiten einer Promotion zu informieren und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Promotion zu erhalten. Anschließend besteht die Möglichkeit, im Sommersemester 2019 am Promotionsvorbereitungskurs teilzunehmen und somit auch am Mentoren-Programm zu partizipieren. Vom 25. bis 27. März 2020 besteht dann in Brühl die Möglichkeit, an der Fachtagung teilzunehmen, welche sich zeitlich an die Spring School anschließt und den Abschluss des Forschungsprojektes „berufliche und akademische Bildung in therapeutischen Berufen durchlässig machen“ bildet. Die Angebote sind nicht nur für Masterabsolventen im VPT offen, sondern gelten für alle Therapeuten – egal, wo der Abschluss gemacht wurde. Ebenso können Teilnehmer von Modellhochschulen am Promotionsvorbereitungskurs teilnehmen und von der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung profitieren.

Newsletter informiert und vernetzt Studierende

Für Promotionsinteressierte wurde ein Newsletter entwickelt, der schon über 100 Abonnenten hat. Damit sollen die Angebote und Akteure der Akademisierung in den therapeutischen Gesundheitsfachberufen sichtbar gemacht und miteinander vernetzt werden. Er richtet sich insbesondere an (angehende) Promovierende, im weiteren Sinne aber auch an alle anderen Akteure, z.B. Hochschulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie natürlich Promotionsbetreuer/innen, Professoren und Professorinnen sowie an alle sonstigen Interessierten. Aktuell ist geplant, mindestens eine Ausgabe pro Quartal zu veröffentlichen. Dipl. Päd. Steffen Winny (Europäische Fachhochschule) ist der Verfasser der ersten Ausgabe mit dem Titel: „Promotionspfade in den therapeutischen Gesundheitsfachberufen“.

Hier wird dahingehend informiert, dass seit 2009 – zurzeit noch im Rahmen der Modellklausel – die Akademisierung der therapeutischen Gesundheitsfachberufe begonnen hat. Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie und Hebammenkunde können seitdem in Deutschland alternativ zu einer beruflichen Ausbildung studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen werden. Ca. 40% der Bachelorabsolvent/innen begannen anschließend ein Masterstudium – vornehmlich, um sich finanziell (76,9%) und beruflich (65,4%) weiterzuentwickeln (Ergebnisse der HVG-Absolventenbefragung 2018). Mit dem Newsletter soll ein Forum geschaffen werden, in dem nicht nur eigene Angebote vorgestellt, sondern möglichst alle existierenden Angebote und Akteure miteinander vernetzt werden, um den Abonnenten eine bestmögliche Übersicht geben zu können.

Forschungsprojekt TheraTesisLink

Im Forschungsprojekt „TheraThesisLink“ wurde eine frei zugängliche Online-Volltextdatenbank entwickelt, in der Absolventinnen und Absolventen aus den Bereichen der Therapiewissenschaften ihre Abschlussarbeiten (BSC, MSc, PhD) öffentlich zugänglich machen können. Das Projekt zielt darauf ab, Wissen aus Abschlussarbeiten qualitätsgerecht zitierbar, auffindbar und dauerhaft verfügbar zu machen. Prof. Dr. C. Zalpour (Hochschule Osnabrück) hat die Projektleitung. Hier soll die Voraussetzung dafür geschaffen werden, dem Trend der Spaltung innerhalb der Therapieberufe entgegenzuwirken, um durch die voranschreitende Akademisierung eine Teilung der Therapieberufe in „Akademiker“ und „Praktiker“ zu vermeiden. Mittels dieser Literaturdatenbank kann nicht nur der Wissensaustausch ermöglicht, sondern es können auch klinisch tätige, am evidenzbasierten Arbeiten interessierte Therapeuten, in die Akademisierung mit einbezogen werden. Gefördert wird dieses Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Die Kooperation des VPT mit dem HVG beruht auf einer guten, langjährigen Zusammenarbeit. Bildung, Studium und Forschung haben einen immer größer werdenden Stellenwert. Deshalb möchte der VPT aktiv an der Arbeit im HVG mitwirken.


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